Wer ist psychisch krank?

Bei körperlichen Erkrankungen gibt es klare und meist messbare Anzeichen (Symptome) einer Krankheit. Und niemand ist der Meinung, dass eine solche Krankheit, die durch Bakterien, Viren, äußere Einwirkungen oder durch Versagen von Organen verursacht wird, ein persönliches Versagen des Kranken darstellt. Bei Störungen des Erlebens oder Verhaltens jedoch sind viele Menschen der Ansicht, dass der Gemütskranke in gewissem Masse für seine Krankheit verantwortlich ist. Daher haben wir für einen seelischen Kranken auch viel weniger Mitgefühl, als z.b. für einen Krebskranken. Im Gegenteil, ein für "verrückt" Erklärter oder von der Gesellschaft dafür Gehaltener wird meist abgeschoben. In verschiedenen Kulturen erklärt man einen Menschen, der Anfälle oder Halluzinationen hat, zu einem Propheten oder Schamanen und verehrt ihn als jemanden, der für de göttliche Eingebung auserwählt ist. Weit häufiger aber werden (oder wurden) solche Individuen abgelehnt, ausgestoßen, isoliert, Torturen unterzogen oder von der Gesellschaft vernichtet. Ob jemand psychisch abnormal ist - also sich nicht wie "die meisten" verhält -, wird durch die Gesellschaft, in der der Kranke lebt, bestimmt. So gesehen hat bis zu einem gewissen Grad der amerikanische Psychiater Thomas S. Szasz Recht, wenn er meint, dass die Irren nicht so sehr gestört als vielmehr störend seien. Dies ist einer der Standpunkte der "Antipsychiatrie", welche sich gegen die Schulpsychiatrie wendet (Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Systematik, den Ursachen, der Verlaufsformen und der Behandlung psychischer Störungen beschäftigt). Eine klare Trennung zwischen "normal" und "psychisch gestört" gibt es nicht. Die Übergänge sind fließend.







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