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Selbstmord!
10 bis 15 Prozent der Depressionspatienten unternehmen Suizidversuche. Gedanken an Selbsttötung fehlen bei kaum einem Depressiven. Selbstmord ist daher Ausdruck einer seelischen Erkrankung und erfolgt nicht völlig freiwillig. Es ist daher besser, nicht von "Mord", sondern von "Selbsttötung" zu sprechen.
Nach Viktor E. Frankl gleicht der Selbstmörder einem Schachspieler, der angesichts eines schwierigen Problems nicht weiterspielt, sondern Figuren vom Brett wirft. Nach Frankl sind heute viele Menschen existenziell frustriert. Sie empfinden das Leben als sinnlos und werfen es weg (Sinnlosigkeitsneurose). Niemand bringt sich aus materieller Not um. Gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft ist die Selbsttötungsrate sehr hoch. Selbstmord ist sogar ansteckend. Es gab schon ganze Epidemien, die oft von "Infektionsherden" ausgehen (Flüchtlingslager). Auch bestimmte Orte wirken auf Freitodwillige anziehend. Im Vordergrund stehen jedoch Schlafmittel. Bei politischen Katastrophen häufen sich Selbstmorde.
Folgende Personengruppen sind daher besonders gefährdet:
- Depressive: Bei der überwiegenden Zahl aller Selbsttötungen liegen depressive Störungen vor.
- Selbstmorddrohende sind besonders gefährdet. Ihre Ankündigung (das "präsuizidale Syndrom") muss unbedingt ernst genommen werden.
- Manche Selbsttötung ist eine Kurzschlusshandlung. Menschen, die niemandem haben, um sich auszusprechen.
- Ferner gibt es Bilanzselbstmord: Das Leben erscheint sinnlos, man will seine Familie nicht mehr belasten (besonders im Alter).
- Auch gibt es die bewusste Selbstaufopferung, z.b. durch Selbstverbrennung (um etwas auf Missstände im Land aufmerksam zu machen).
- Es gibt auch besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie z.b. unbehandelte Alkoholkranke und Drogenabhängige, aber auch chronisch Kranke.
- Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits einen missglückten Suizidversuch unternommen haben. Fünf bis zehn Prozent davon begehen innerhalb der darauffolgenden zehn Jahre Selbstmord.
- Schließlich sterben auch manche auf Grund einer mystischen Todessehnsucht im Streben nach einer vermeintlichen Bewusstseinserweiterung. Gefördert wird dies durch Sekten und Drogen.
Es gilt im Rahmen einer Selbstmordprophylaxe, der Sinnentleerung vor allem bei der Jugend entgegenzuwirken. Besonders wichtig ist die Entwicklung des "Unvertrauens", das Gefühl der Geborgenheit in der Familie. Erste Anzeichen einer Suizidgefährdung müssen beachtet werden. Der Gefährdete braucht das mitmenschliche Gespräch. In bestimmten Fällen sind auch Antidepressiva angezeigt.
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