Selbstverletzendes Verhalten (svv)

Definition:
Stereotype Bewegungsstörung: Unter der Bezeichnung stereotype Bewegungsstörung werden folgende Verhaltensweisen eingeschlossen: wiederholtes Kopfschlagen, Ins-Gesicht-Schlagen, In-Die-Augen-bohren, Beissen in die Hände, Lippen oder andere Körperpartien. Diese Formen der Selbstschädigung treten meist in Verbindung mit einer Intelligenzminderung auf. Neben diesen Symptomen des selbstverletzenden Verhaltens treten jedoch auch bei Kindern und Jugendlichen habituelle Verhaltensweisen in Erscheinung, die durchaus zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und teilweise zu lebensbedrohlichen Selbstbeschödigungen führen können.
Artifizielle Störung (absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen): Bei Fehlen einer gesicherten körperlichen oder psychischen Störung, Krankheit oder Behinderung täuscht der Patient wiederholt und beständig Symptome vor. Dabei kann es auch zu selbstverletzenden Verhaltensweisen in Form von Schnittverletzungen und anderen Selbstbeschädigungen kommen. Es handelt sich hierbei um eine Störung im Umgang mit Krankheit und der Krankenrolle, wobei die Betroffenen meist deutliche Symptome einer ganzen Reihe anderer Störungen ihrer Persönlichkeit und ihrer Beziehungen aufweisen.

Folgende Symptome sind im Rahmen der artifiziellen Störung häufig anzutreffen:

  • Verletzungen: Diese werden heimlich vom Patienten selbst herbeigeführt. Das Spektrum reicht von oberflächlichen Hautverletzungen, Verbrühungen bis hin zur Zufügung von tiefen Wunden durch invasive Gewalteinwirklung.
  • Selbst herbeigeführte Erkrankungen:

    • Hauterkrankungen (Aufbringen von Säuren und Laugen, Quetschungen, Strangulation, etc.)
    • Internistische Erkrangungen (vorgetäuschtes Fieber, Vortäuschung einer Herz- oder Lungenerkrankung, etc.)
    • Gynäkoligische Erkrankungen (unklare Schmerzsymptomatik, vaginale Blutungen durch meschanische Manipulation oder Einbringen von ätzenden Lösungen, etc.)
    • Chirurgische Erkrankungen (vorgetäuschte abdominale Schmerzen, Stuhl- und Urinverhalt, Manipulationen an Operationswunden, Erzeugung von Abszessen, etc.)

  • Vorgetäuschte psychische und neurologisch/psychiatrische Symptomatik: Verwirrtheitszustände, epileptische Anfälle, Lähmungserscheinungen, delirante Zustandsbilder, Psychotische Symptome, Angstzustände, depressive Syndrome und Suizidalität.

Schweregradeinteilung:

  • Schwere Selbstbeschädigung: Eher seltene Handlungen mit jedoch schwerer Selbstbeschädigung und Verstümmelung in Form von Enukleation, Amputation, Kastration, Verbrühungen, Zufügung von tiefen Wunden durch invasive Gewalteinwirkung. Eine eher seltene Form des selbstverletzenden Verhaltens, die bei Patienten mit Psychosen oder schwerer artifizieller Störung angetroffen wird.

  • Mittelschwere/oberflächliche Selbstbeschädigung: Sich-Schneiden, Ritzen etc. mit eher sporadischem Auftreten und nicht selten demonstrativem Charakter. Es handelt sich bei Jugendlichen um die häufigste Form des selbstverletzenden Verhaltens und findet sich gehäuft bei Störungen des Sozialverhaltens, instabilen Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typ, neurotischen Störungen und Eßstörungen.

  • Schwere Form des stereotypen selbstbeschädigenden Verhaltens: Abbeißen von Fingerkuppen, Zufügung von tiefen Wunden und Verletzungen durch Kopfschlagen, Ins-Gesicht-schlagen, In-die-Augen-bohren, Beißen in Hände, Lippen oder andere Körperpartien. Findet sich gehäuft bei autistischen Syndromen, geistiger Behinderung und spezifischen Syndromen (z.B. Lesch-Nyhan-Syndrom, Cornelia-De-Lange-Syndrom, Smith-Magenis-Syndrom).

(Quelle: AWMF)







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